Gedankenverloren Kolumne 5 Unsere Trennung

Kolumne #5 || Unsere erste Trennung …

Es ist schon erschreckend wie schnell die Zeit vergeht. Gerade eben noch hielt ich Clara zum ersten Mal im Arm und jetzt… jetzt sitze ich hier und starre gedankenverloren auf das Foto, das mir Stephie gerade geschickt hat. Stephie ist unsere wundervolle Tagesmama. Und auf dem Foto sehe ich vier Kinder, die dick eingepackt und mit einem breiten Grinsen im Kinderwagen sitzen und jetzt zum Spielplatz fahren. Eins davon ist Clara. Unsere erste Trennung während der Eingewöhnung. Clara auf dem Spielplatz und Mama allein zu Hause.

Der Weg nach Hause war ganz seltsam. Ich kann es gar nicht beschreiben – es ist eine Mischung aus Erleichterung, dass sie es so gut mitmacht, Nervosität, ob nicht jeden Moment das Handy klingelt, und Wehmut, dass die kleine Motte schon so groß ist. Ich habe die Eingewöhnung immer ganz nüchtern betrachtet. Die Tage durchgerechnet und auf einen Zeitstrahl gelegt und nach Berücksichtigung der Osterferien ging ich stark davon aus, dass meinem Wiedereinstieg in meinen alten Job nichts im Wege stehen würde. Hatte gehofft, dass Clara gut mitmacht. Hatte keine Bedenken. Keine Hindernisse. Außer mich. Jetzt. Ich, die jetzt plötzlich doch eine kleine ‚Glucke‘ wird und sich schon nach dem Moment sehnt, wenn ich Clara gleich wieder vom Spielplatz abholen kann. Heute wird nur gekuschelt!! Jetzt ist es jetzt plötzlich ganz seltsam …

Jetzt sitze ich hier also in unserer Wohnung und es ist totenstill. Ich höre meinen Kopf rauschen und das schreiende Baby unserer Nachbarn zwei Stockwerke tiefer – so still ist es hier. Und ich denke so bei mir, wie unfassbar es ist, dass so ein kleiner Mensch das eigene Leben in so kurzer Zeit so ausfüllen kann. Mir ist das während dieses einen Jahres gar nicht so bewusst gewesen. Ja klar, steht das eigene Leben plötzlich Kopf, der Tagesablauf wird je nach Laune des Babys adaptiert und das eigene Leben plötzlich nur durch diesen kleinen Menschen bestimmt. Aber wir haben uns auch daran gewöhnt, weil es genau das war, was wir wollten. Ein Baby. Und, dass sich das Leben dadurch erst einmal komplett ändert, gehört eben genauso dazu, wie dass man irgendwann seinen Rhythmus findet – als Mama, als Familie – und das Leben dann auf einem anderen Level einfach weiterläuft.

Aber dass dieses Chaos in meinem Kopf und in meinem Herz durch die Eingewöhnung in die Tagespflege auch dazu gehört, das wusste ich nicht. Dass jetzt alles noch einmal so durchgeschüttelt wird, hätte ich nicht gedacht. Plötzlich wird mir bewusst, dass mit dem ersten regulären Tag in der Kita der Prozess der Ablösung beginnt. Ja, ok, ich könnte es auch positiv formulieren. Mit dem ersten Tag in der Kita beginnt das Kind selbständig zu werden, eigenständig den Tag zu gestalten, mit immer weniger Grenzen, Einschränkungen und Vorgaben. Erst ist es die Kita, dann die Schule, die Uni und dann später der Job und das eigene Leben mit wiederum der eigenen Familie. Ja, ich weiß, das ist noch Lichtjahre hin (mindestens!), aber hier und heute ist der Anfang.

Die Tagespflege ist jetzt – neben der Familie – ihre erste soziale Gruppe. Ihr erstes soziales Umfeld in dem sie ihre Rolle hat. Wie aufregend. Mein Papa sagte früher immer: „Ich habe meine Arbeit. Ich muss jeden Morgen aufstehen und zur Arbeit gehen. Und so ist es mit deinem Kindergarten auch. Das ist deine Arbeit. Manchmal macht es Spaß und manchmal nicht, aber das ist deine Aufgabe.“ Und so ist es.

Ich kann jetzt dieses obligatorische, „ach, Mensch, was bist du groß geworden“, verstehen. Das war nicht nur eine Floskel zum Wiedersehen; das war die tatsächliche Erkenntnis, wieviel Zeit vergangen ist. Das dachte ich heute auch. Mein Baby ist jetzt kein Baby mehr. Aus dem Baby ist durch diese Eingewöhnung ein kleiner Mensch geworden – ein Kleinkind. Es geht so wahnsinnig schnell. Stephie schickt weitere Fotos von den vier Rackern im Sandkasten, wie sie miteinander spielen, jeder in seinem Tempo und nach seinen Möglichkeiten, aber alle zusammen. Und Clara sitzt da im Sand, zufrieden, etwas müde, aber wie ein großes kleines Mädchen mit einer grünen Schippe. Und das allererste Mal kommt mir der Gedanke, wenn Clara jetzt kein Baby mehr ist, sondern zu einem tollen kleinen Mädchen heranwächst, dann möchte ich vielleicht wieder ein Baby haben …

PS: Wenn dir #gedankenverloren gefällt, folge uns auch bei Pinterest, Instagram und Facebook .
Wir freuen uns auf dich!

* So gekennzeichnete Links sind Affiliate-Links. Wenn Du darüber bestellst oder buchst, kostet es für dich keinen Cent mehr. Wir bekommen aber eine kleine Provision und du kannst uns so unterstützen, ohne dass es dich etwas kostet.

0 Antworten

Hinterlasse einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte dir auch gefallen

Titelbild gedankenverloren Kolumne 22 Supermama

Kolumne #22 || Supermama – Eine für alle.

Warum machen wir uns eigentlich so verrückt? Oder machen wir das überhaupt? Oder sind es die anderen? Haben wir oder die anderen zu hohe Ansprüche an uns selbst? Oder stellen wir uns einfach alle an? Kind, Job, Haushalt, Partnerschaft. Das alles schient an manchen Tagen unmöglich zu schaffen, doch wir geben nicht auf und versuchen unser bestes… Immer und immer wieder. Immer mehr und immer schneller. Super-Mama im Hamsterrad…

Kolumne 21 Gedankenverloren Freitag

Kolumne #21 || FREItag. Meine neue Freiheit.

Ich stehe in der Küche und drehe das Radio auf volle Lautstärke, im Radio läuft The Chainsmokers feat. Coldplay mit ‚Something just like this‘ und ich raste völlig aus. Hüpfe durch die Küche gehüpft und wackle mit dem Kopf gewackelt während ich genüsslich in mein Schokocroissant beiße. Feierlich, im Stehen, ohne Teller und die vielen kleinen Blätterteigkrümel krümeln einfach so auf die Küchenfliesen. Wenig vorbildlich – aber egal. Es ist ja niemand da. Niemand der wegen der Krümel auf dem Boden die Stirn runzelt. Niemand der sich das Krümelchaos ansehen und abspeichern und nachmachen kann… Nur ich. Ich und mein Croissant und die Musik in meinem Kopf und – danke!! – die Sonnenstrahlen, die durchs Küchenfenster fallen. Hello, happy day! Meine neue Freiheit. Freitags, 6 Stunden, nur ich und ich. Was dabei rauskommt, wenn Mama allein zu Haus‘ ist…

Gedankenverloren Kolumne 20 Titelbild

Kolumne #20 || Danke, Mama. Danke, mein Mädchen.

Ich denke, es ist einmal an der Zeit einfach Danke zu sagen. DANKE, Mama – Oma und Opa. Danke, mein kleines Mädchen auch dir. Kennt ihr den Brief aus der Huffington Post einer Mutter an ihre Tochter? Da bin ich letztens zufällig drüber gestolpert und habe wie auf Kommando nach den ersten vier Sätzen Rotz und Wasser geheult. Wie viel Wahrheit in diesen Zeilen steckt, ist Wahnsinn und sie brachten mich zum Nachdenken. Immer und immer wieder muss ich an diese Zeilen denken. Denn in Ihnen verbirgt sich so viel Wahrheit und eine zweite Ebene unter der unbeschreiblichen Liebe zur eigenen Tochter. Es ist Liebe und tiefe Dankbarkeit an die eigene Mutter und die Angst vorm Älterwerden mit einer Tochter, die immer eigenständiger wird. Und plötzlich sitze ich da mit dicken Krokodilstränen, die über mein Gesicht rollen ohne zu wissen, was ich fühle. Ich kann nicht in Worte fassen, welches Gefühl es ist, das mich zum Weinen bringt. Und wie sehr meine Tochter meine Welt erschüttert, jeden Tag…

Über uns

Beliebteste Beiträge

Folge uns auf Facebook

Folge uns auf Instagram

Quote of the week

"Ein Kind ist eine kleine Hand, die zurückführt in eine Welt, die man vergessen hat."

Unbekannt

Beitrag oder Thema suchen

Archiv

Archive

Beliebte Kategorien