Gedankenverloren Kolumne 20 Titelbild

Kolumne #20 || Danke, Mama. Danke, mein Mädchen.

Ich denke, es ist einmal an der Zeit einfach Danke zu sagen. DANKE, Mama – Oma und Opa. Danke, mein kleines Mädchen auch dir. Danke für eure Geduld mit uns und mit unserer Tochter. Danke für eure Zeit, für uns und unsere Tochter. Danke für eure Mühe. Danke für eure Unterstützung  mit unserer Tochter. Danke für eure Liebe für uns und unsere Tochter. Danke für eure Antworten und danke für eure Fragen. Einfach mal: Danke.

All das, was ihr schon mit uns erlebt und durchgemacht habt, kommt jetzt noch mal auf euch zu. Zwar mit ein wenig Abstand, aber die Sorgen sind doch ähnlich groß und die Nächte nicht weniger schlaflos, wenn ihr euch Sorgen macht. All das, was das Kind erlebt und durchmacht, macht man als Eltern auch mit und wenn das eigene Kind nun selbst ein Kind hat, dann verdoppelt es sich noch. Die guten Zeiten wie auch die schlechten Zeiten. Und mit all der Erkenntnis im Hinterkopf, sage ich heute Danke. Ganz offiziell.



Seitdem Clara auf der Welt ist, weiß ich die Mühe, die Kraft und die Liebe meiner eigenen Eltern und Schwiegereltern – und auch aller anderen Eltern – sehr viel mehr zu schätzen. Die Kraft und Energie, die man als Mutter Tag für Tag aufbringen muss, um das Kind durch die Welt zu führen, es zu nähren – mit Liebe und Essen-, und es zu schützen, ist groß und manchmal kratzte ich sie aus den letzten Ecken meines Nervenkostüms zusammen. Aber es geht. Immer. Irgendwie. Denn das Kind führt auch mich durch diese neue Welt und nimmt mich an die Hand, wenn ich es an die Hand nehme. Es nährt mich mit Liebe und Dankbarkeit, die wirklich alles andere vergessen lässt. Und deine reine Seele schützt auch mich vor der Verblendung des Alltags, davor mich über belanglose Dinge aufzuregen, Zeit zu verschwenden, zu grübeln. Du brauchst mich, aber ich brauche dich mit jedem neuen Tag umso mehr.

Kennt ihr den Brief aus der Huffington Post einer Mutter an ihre Tochter? Da bin ich letztens zufällig drüber gestolpert und habe wie auf Kommando nach den ersten vier Sätzen Rotz und Wasser geheult. Wie viel Wahrheit in diesen Zeilen steckt, ist Wahnsinn und sie brachten mich zum Nachdenken. Immer und immer wieder muss ich an diese Zeilen denken. Denn in Ihnen verbirgt sich so viel Wahrheit und eine zweite Ebene unter der unbeschreiblichen Liebe zur eigenen Tochter. Es ist Liebe und tiefe Dankbarkeit an die eigene Mutter und die Angst vorm Älterwerden mit einer Tochter, die immer eigenständiger wird. Und plötzlich sitze ich da mit dicken Krokodilstränen, die über mein Gesicht rollen und kann nicht fassen, was ich fühle. Ich kann nicht in Worte fassen, welches Gefühl es ist, dass mich zum Weinen bringt. Und wie sehr meine Tochter meine Welt erschüttert, jeden Tag.

Titel Gedankenverloren Kolumne 20 Mutter und TochterDer Brief einer Mutter an ihre Tochter aus der Huffington Post (Hier geht’s zum >>Brief aus der Huffington Post<<):

Mein liebes Mädchen, 

an dem Tag, an dem du merkst, dass ich langsam alt werde, sei bitte geduldig mit mir und versuch zu verstehen, was ich durchmache. 

Wenn wir miteinander reden und ich die gleiche Sache tausendmal wiederhole, unterbrich mich nicht, um mir zu sagen: „Mama, das gleiche hast du vor einer Minute schon gesagt.“ Bitte, hör mir einfach nur zu. Weißt du noch, wie ich dir, als du noch klein warst, Abend für Abend die gleiche Geschichte vorlesen sollte, bis du eingeschlafen warst?

….

Wenn du merkst, wie schwer mir all die neuen Dinge fallen, gib mir die Zeit sie zu verstehen und schau mich nicht mitleidig an. Denk immer dran: Ich habe dir mit aller Geduld beigebracht, wie man anständig mit Messer und Gabel isst, (….) und den Steinen ausweicht, die das Leben einem in den Weg legen wird. 

An dem Tag, an dem du bemerkst, dass ich langsam alt werde, sei bitte geduldig mit mir und versuch zu verstehen, was ich durchmache. 

Wenn wir uns unterhalten und ich ab und zu den Faden verliere, gib mir die Zeit, ihn wieder zu finden. (….) werde bitte nicht ungeduldig oder aufbrausend. Du sollst in deinem Herzen immer wissen: Das Wichtigste für mich ist die Zeit, die ich mit dir verbringe.

Und wenn meine alten, schwachen Knochen mich nicht mehr tragen wie früher, reich mir deine Hand – so wie ich dir meine reichte, als du deine ersten Schritte liefst. 

Wenn der Tag kommt, an dem du merkst, dass ich alt werde, sei nicht traurig. Bleib an meiner Seite, unterstütze mich und liebe mich, bis ich das Ende meines Lebens erreiche. Ich danke dir für jeden Moment, den wir miteinander verbringen. (…) Mit einem großen Lächeln im Gesicht und all der Liebe in meinem Herzen möchte ich dir sagen: 

Ich liebe dich, meine Tochter.“

(zitiert aus der Huffington, veröffentlicht Veröffentlicht:  unter http://www.huffingtonpost.de/2015/09/04/brief-mutter-tochter-wenn-ich-alt-werde_n_8087120.html)

Und mir wird noch einmal mehr bewusst, was meine Augen sehen und  wie viel mehr mein Herz fühlen und begreifen kann, seitdem meine Tochter an meiner Seite ist. Seitdem sie ihre wackeligen aber zielstrebigen kleinen Schritte durch diese Welt macht bereit alles zu entdecken, gutes und schlechtes, darauf vertraut, dass ich immer in ihrer Nähe bin, um sie zu aufzufangen oder sie zu trösten und ihr helfen wieder aufzustehen. Du hast so viel Kraft und Energie und Ehrgeiz in dir. Ist es die Kraft und die Energie, die ich dir in deinen ersten Lebensmonaten von mir gegeben haben. Nimm alles, was ich dir geben kann. Du weißt mehr damit anzufangen.



Und ich weiß plötzlich umso mehr, wie viel Kraft es meine Eltern gekostet haben muss. Wie sehr sie mich lieben müssen. Und wie dankbar ich Ihnen sein sollte. Jeden Tag.

Wie oft ertappe ich mich, dass ich ungeduldig bin, wenn meine Eltern mir eine Geschichte zum dritten Mal erzählen. Wie oft unterbreche ich sie auch und sage genervt: „…Das hast du mir gestern schon zweimal erzählt…“ Und wie leid tut es mir jedes Mal, so ungeduldig gewesen zu sein. Was ist schon dabei, eine Geschichte mehrfach zu hören?

Ich weiß jetzt, was dabei ist. Die Liebe für die eigenen Eltern wird überschattet von der Angst vor der Zeit. Es wird mir bewusst, dass meine Eltern älter werden und sich irgendwann die Abhängigkeit wieder dreht. Dann braucht meine Mutter mich. So wie ich sie als kleines Kind gebraucht habe und noch heute brauche. Meine Eltern sind nicht unsterblich. Meine Eltern werden mcih irgendwann mehr brauchen als ich sie brauche. Die dreifachen Geschichten machen mir das bewusst.

Dass meine Eltern sich nicht mit Smartphones, Online Banking oder gar Blockchain und Augmented Reality beschäftigen wollten, konnte ich nicht verstehen. Aber jetzt denke ich oft – oder denke an den Brief und versuche mich daran zu erinnern – dass sie das auch nicht müssen. Dass sie es vielleicht auch nicht verstehen – ich verstehe ja vieles von dem selbst nur bruchstückhaft. Und es ist für sie vielleicht auch nicht interessiert. So wie ich mich als Teenie nicht mit der Tagesschau beschäftigen wollte. Ich erinnere mich daran, wie meine Mutter mit mir einmal die Woche direkt nach der Arbeit im Feierabendverkehr mit dem Auto in die Kölner Innenstadt zum Shoppen gefahren ist; wie ich aus dem Kindergarten jeden Tag mit überschäumendem Stolz ein neues weißes Blatt mit wirrem Gekritzel mit nach Hause gebracht habe; wie mein Vater mich immer wieder aufs Fahrrad gesetzt hat um mir das Fahren beizubringen. Als diese Ausdauer sollten wir doch auch aufbringen. Für unsere Kinder und für unsere Eltern.  Gleichermaßen. Sie haben es beide mehr als verdient.

Und ja, es ist beängstigend, dass sie älter werden und es ist auch traurig. Aber es ist auch schön, dass sie da sind. Dass ich sie fragen kann, wenn ich nicht weiter weiß, denn das, was sie behalten und uns immer voraus haben ist die Lebenserfahrung. Die Erfahrungen und Geschichten, die sie ausmachen und dessen Teil wir sind und die ein Teil von uns sind. Die Erfahrungen und Geschichten, die sie mit uns teilen und die uns helfen, die Welt, das Leben und unsere eigene Tochter besser zu verstehen. Und diese Geschichten lassen wir sie doch immer und immer wieder erzählen. Denn was sie uns mit jeder Geschichte sagen wollen ist:

Ich liebe dich, meine Tochter.

Ich liebe Euch auch, Oma und Opa – ohne Euch geht es einfach nicht.

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