Gedankenverloren Kolumne 2

Kolumne #2 || Mama, erzähl doch mal…

„Mama, erzähl doch mal.“ Früher oder später wird meine kleine Tochter mich wohl auch fragen, wie das denn war mit meiner Schwangerschaft. Wie ich mich gefühlt habe. Wie viel habe ich zugenommen und wie schnell wieder abgenommen? Hatte ich Gelüste, und wenn ja, welche? Hatte ich mit Übelkeit zu kämpfen? Wie lange habe ich gearbeitet? Welche Ängste, Sorgen und Zweifel haben mich beschäftigt? Lag ich nachts oft wach? Und wie waren erst die Geburt, und das Gefühl, als ich dich das erste Mal im Arm hielt? Ja, wie fühlte sich das alles an? Hatte sich viel verändert – und was eigentlich genau? Und überhaupt, erzähl doch mal.

Dieser Tag wird kommen… Und ein kleiner Vorbote kam bereits vor ein paar Tagen. Die liebe impi_timphi hat auf Instagram nach fünf Fakten meiner Schwangerschaft gefragt. Und da habe ich erst einmal gestutzt… Auch wenn Clara gerade einmal 1 Jahr alt ist und meine Schwangerschaft somit nur ein paar Monate älter musste ich mich erst einmal setzen und besinnen. Wie war das nochmal…?

Meine erste Schwangerschaft traf uns irgendwie unerwartet – obwohl sie doch geplant war. Ich hätte nur einfach nicht gedacht, dass es auf Anhieb funktioniert. Ich rechnete ab dem Zeitpunkt ab dem wir die Verhütung abgesetzt hatten mit zwei Monaten, in denen sich der Körper anpassen muss, dann drei Monate ‚Trial and Error‘ plus die zehn Monate der Schwangerschaft – also hatte ich ab dem Entschluss schwanger zu werden noch entspannte 15 Monate bis das vermeintliche Baby dann endlich zur Welt kam. Genug Zeit sich in Ruhe auf die Mutterrolle und das Mamasein vorzubereiten. Aber es kam alles anders als gedacht. Und im nächsten Monat war ich schwanger. PANIK!

Als ich nach unserem Sommerurlaub bei meiner Frauenärztin zum ‚Beratungsgespräch‘ aufschlug und wir den vorsorglichen Ultraschall machten, hüpfte da plötzlich schon eine kleine Blase herum. Ich konnte es gar nicht fassen… Ich war völlig geschockt… Mein Herz schlug mir bis zum Hals und mir schossen plötzlich tausend Gedanken durch den Kopf – noch mehr Panik! Nebenbei filmte ich – nach außen hin völlig gelassen und freudenvoll – die hüpfende Blase mit dem Handy ab. Als ich wenig später die Praxis verließ und zu meinem Auto lief, fühlte ich mich ganz anders – und irgendwie auch nicht…

Eine Schwangerschaft macht ganz verrückte Sachen mit dir. Mit den Gedanken, mit den Gefühlen, mit dem eigenen Körper. Und besonders bringt sie den Körper und den Geist dazu außerordentliche Dinge zu leisten, auszuhalten und auch wieder zu vergessen.

Die ersten fünf Fakten meiner Schwangerschaft, an die ich mich erinnern kann waren folgende:

1. In den ersten drei Wochen meiner Schwangerschaft wusste ich von nichts. Zu der Zeit waren wir in den Dolomiten und sind durch das Rosengartenmassiv auf 2.800 Metern gejoggt und mit dem Mountainbike up- und down-hill durch die Bergwelt gefahren – wahrscheinlich ist Clara deswegen so ein Energiebündel.

2. Clara war ein absolutes Wunschkind. Dass es direkt geklappt hat, hat uns beide aber total überrascht. Beim ersten Beratungstermin beim Frauenarzt sprang da dann plötzlich schon eine kleine Blase hin und her.

3. Ich hatte glücklicherweise keinen einzigen Tag mit Übelkeit zu kämpfen – Danke, Körper. Und verrückte Gelüste hatte ich keine, nur ein paar Tage lang absoluten Heißhunger auf Vanillepudding; und ich hasse Vanille und ich hasse Pudding – normalerweise.

4. Ich wollte so so gerne einen richtig kugelrunden Babybauch haben. Musste mich aber bis zur 32. Woche gedulden bis ich mich so richtig kugelte.

5. Anstatt einer Spontangeburt wurde es ein spontaner Notkaiserschnitt. Und wir danken dem lieben Gott oder wem oder was auch immer dafür, dass es der kleinen Clara gut geht und sie gesund und glücklich jeden Tag aufs Neue die Welt entdeckt.

…Und es gibt noch so viel mehr. Viel mehr Details. Viel mehr Augenblicke, die meine Schwangerschaft ausgemacht haben und von denen ich meiner Tochter irgendwann erzählen kann, wenn sie schwanger ist und mich fragt „Mama, wie war das denn bei dir…?“

Gedankenverloren Mama erzähl doch malWie ich so dasaß und in den staubigen Ecken meiner Erinnerung nach fünf Fakten meiner Schwangerschaft kramte, fiel mir auf, wie viel es doch gab, was besonders war und wie viel ich vermeintlich schon vergessen hatte. Wie traurig – denn das wollte ich auf keinen Fall. Vergessen. Der Körper ist ein intelligentes Ding. Er lässt vergessen, was man im Zusammenhang mit der Schwangerschaft und Geburt lieber vergessen sollte und erinnert sich leicht an das, was so schön war, so einzigartig, so erfüllend. Warum auch sonst, sollte eine Frau sich dazu entscheiden ein zweites Kind zu bekommen – trotz der Schwangerschaftsübelkeit, der Geburtsschmerzen und des monatelangen Schlafmangels…? Um meine Erinnerungen an die Schwangerschaft festzuhalten, fiel mir brühwarm ein, hatte ich extra vorgesorgt. Ich sprang auf und kramte in unserem Bücherregal. Irgendwo hatte ich doch dieses kleine grüne Büchlein. Das hatte ich mir gekauft, als Clara drei Monate wurde, und ich mich voller Tatendrang fühlte. ‚Mama und Papa erzählen über dich ‚Unser Erinnerungsalbum‘ von KNAUR* . Platz für all die vielen Augenblicke und Gefühle, Sorgen und Ängste, Höhen und Tiefen der Schwangerschaft, der Geburt und später des Mamaseins. Und Julius sagte, das könne ich doch abends super machen, wenn Clara im Bett und er auf Geschäftsreise ist. Klang nach einem sinnvollen Plan. Ich hatte mir fest vorgenommen hier alles aufzuschreiben und Clara das Buch zu schenken, wenn sie selbst Mama werden solltet. Was man sich als Mama so alles vornimmt… Das Buch habe ich gefunden, mit einer dünnen Staubschicht bedeckt, im Bücherregal. Es war noch eingepackt. Ich schämte mich fast.

„Einen Blog zu haben ist allein deswegen schon eine schöne Sache“, denke ich im Stillen. Durch den Blog wird mir vieles bewusster. Wir halten viele Gedanken, Erinnerungen und Erlebnisse fest, machen Fotos, fügen sie in den Text ein – und am Ende entsteht ein Blogpost, der nicht nur Euch teilhaben lässt, sondern der auch für uns wie ein Tagebucheintrag unseres Lebens ist. Für immer festgehalten.

Die Buchfolie habe ich jetzt schon einmal aufgerissen und das Buch durchgeblättert. Und schon bei den ersten Fragen sprudelten meine Gedanken, die Schubladen meiner Erinnerung öffnen sich und meine Hand greift gedanklich schon nach dem Stift. „An welchem Tag wusstest du, dass du schwanger bist? Was war das allererste, was ihr für mich gekauft habt? Was ging in dir vor, als du mich das erste Mal im Arm hieltest? Schlief ich gut, oder habe ich euch die ganze Nacht wach gehalten?“ Fragen, auf die ich die Antwort wusste, aber zu denen die Details langsam verschwammen. Jetzt oder nie… Und deswegen habe ich für heute Abend ein paar Stunden reserviert. Auf der Couch mit einem Glas Rotwein. Für mich. Für Clara. Für unser Erinnerungsalbum. Für das erste Kapitel: ‚Bevor ich geboren wurde‘. Ich freue mich schon.

Manchmal braucht man nur einen kleinen Stupser…

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