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Kolumne #19 || Wenn Papa wieder den Koffer packt – Wie schwer einem Papa die Trennung fällt (Autor: Der Papa)

Letzter Sonntagabend. Wir hatten einen schönen Tag zusammen verbracht, hatten das schöne Wetter genossen und es uns gutgehen lassen. Und gleich war es an Zeit für Clara ins Bett zu gehen. Clara lachte, aber ich war irgendwie traurig und betrübt, denn ich wusste, dass ich ausnahmsweise bereits am Montagmorgen wieder los musste… Los, zur Arbeit. In den Flieger steigen und weg von euch. Wieder eine Woche unterwegs sein. Ohne euch. Mir brach es das Herz.

Und ja, auch wenn ich es gewohnt bin, häufig und viel beruflich unterwegs zu sein, ist es jetzt irgendwie anders. Ich mag meinen Job und das, was ich tue. Es macht mir Spaß. Das einzige, was mich in letzter Zeit immer häufiger zum Nachdenken bringt, ist, dass ich für den Job durch die Welt fliegen muss und deswegen nicht jeden Abend zu Hause sein kann. Zu Hause bei meiner kleinen Familie. Und wenn ich dann am Abend bevor es losgeht wieder einmal meinen Koffer packe, dann fühlt sich das echt bescheiden an…

Ich genieße die Zeit mit euch als Familie total und wenn ich nicht zuhause sein kann, dann fehlt ihr beiden mir sehr. Insbesondere seit Clara in diesem Alter ist, in dem jeden Tag etwas Neues passiert. Die kleine Nudel entwickelt sich derzeit so schnell, rasend schnell. Manchmal einfach zu schnell, um nicht jeden Tag zuhause zu sein…

Zusammensein und gedankenverloren 19 Plötzlich kannst du laufen. Erst ganz vorsichtig und dann immer sicherer und forscher. Auf einmal isst du mit Besteck, tobst auf dem Schaukelpferd, juchzst vor Glück und lachst laut los, wenn du dich mal wieder hinter dem Türrahmen „versteckst“, dein kleines Köpfchen hervorschiebst und dann in meine Augen blickst. Auf einmal kannst du Seifenblasen machen oder alleine in deinen Hochstuhl klettern, um uns zu sagen, dass du Hunger hast.

Du sprichst plötzlich und ich muss deine Sprache und deine neuen Wörter nach einer Woche erst verstehen lernen. „Schuuss“, „schiilch“, „(B)rot“, „Puppa“, „(h)oo-ch“… All das ist mir dann erst einmal fremd.

Du wundervoller kleiner Mensch. Jeden Tag wachst du auf und startest neu in den Tag. Und nie bist du nachtragend. Der gestrige Tag ist abgehakt. Das ist so schön zu sehen und es macht mich glücklich am Morgen in dein Zimmer zu kommen und dich in deinem kleinen Bettchen zu sehen. Wie du dort in deinem Schlafsackam Bettrand stehst und darauf wartest, dass dich jemand heraushebt und der Tag beginnt. Ich will derjenige sein, der dich jeden Morgen heraushebt.

Jeden Tag entdeckst du die Welt neu. Findest neue Dinge, die dich begeistern, die dir Spaß machen und die zwischendurch auch mal frustrieren. Erfindest neue Spiele, die dich zu glucksendem Gelächter hinreißen, die deine kleinen blauen Augen leuchten und dein Gesicht strahlen lassen. Erzählst in deinen eigenen Worten, was du siehst und was dich gerade beschäftigt…Und Papa kann so oft nicht da sein, um das zu erleben. Und das ist sehr traurig. Nicht nur für mich, auch für dich ist das nicht schön. Und für Mama sicher auch nicht.



Besonders bewusst ist mir das an besagtem Sonntagabend geworden, als ich meinen Koffer für die Woche packen musste. Der Tag war wunderschön und normalerweise haben wir den Montag als Familientag. Seit deiner Geburt habe ich dafür gekämpft nur 4 Tage pro Woche arbeiten zu müssen, um mehr Zeit mit meinen beiden Damen verbringen zu können. Das war eine Entscheidung, die ich getroffen habe, um meinen Job so vereinbar wie möglich mit meiner neuen Rolle als Papa und meinem Bedürfnis nach Zeit mit meiner kleinen Familie zu machen.

Aber an diesem Sonntag war es anders.  Montag – wichtige, nicht verschiebbare Termine. Also musste der Familientag ausfallen. Wie Sarah immer sagt: #keinponyhof Also packe ich diesmal an einem Sonntagabend meine Sachen und bin traurig, dass die Zeit mit euch beiden schon wieder vorbei ist…

Du, kleine Entdeckerin, spielst währenddessen in dem Koffer und hilfst mir die Sachen einzupacken, nur um sie dann wieder auszupacken und wieder einzupacken…auf den Koffer zu klettern, ein paar deiner Sachen in den Koffer zu packen, dich selbst in den Koffer zu legen …dann willst du dir die Schuhe anziehen, sitzt vor der Tür und willst mit raus…als wir dir erklären, dass du nicht mitkommen kannst und Papa alleine wegfährt, sagst du „schuuus“ und winkst. Herzzerreißend.

Danach bist du irgendwie plötzlich anders, bist launischer als vorher. Vielleicht nur ein Zufall, aber er gibt mir zu denken. Und der Gedanke daran jetzt wieder ein paar Tage nicht an deiner Seite sein zu können, macht mich traurig.

Spielplatz - gedankenverloren Kolumne 19Ich frage mich, was ich wohl alles verpasse in den Tagen, in denen ich dich nicht sehe, mein kleiner Schatz. Wie es dir wohl damit geht, dass dein Papa für die Arbeit durch die Welt fliegen muss, und abends nicht immer nach Hause kommt, um mit dir zu essen, mit dir ein Buch anzuschauen, zu spielen und dich ins Bett zu bringen.

Die Antwort auf all diese Fragen, die so durch meinen Kopf schwirren, kenne ich nicht und du kannst sie mir leider auch nicht geben. Ich hoffe nur, dass du es irgendwie verstehst oder zumindest weißt, dass ich in Gedanken immer bei dir bin und dich ganz doll lieb habe.

Manchmal beneide ich Sarah. Denn sie kann jeden Abend nach der Arbeit nach Hause kommen, dich von der Tagesmutter abholen, den Tag mit dir ausklingen lassen und dadurch, dass sie zur Zeit noch Teilzeit arbeitet, viel mehr Zeit mit dir verbringen…

Natürlich wird jetzt jede Frau sagen, dass sie auch manchmal froh wäre, einfach Zeit für sich zu haben und im Hotelzimmer abzuhängen. Dass nicht die gesamte Zeit, die man mit den Kindern verbringt nur „eitel Sonnenschein“ ist… Aber manchmal würde ich trotzdem gerne tauschen. Würde jeden Abend gerne einfach da sein, dich erleben, dich lachen sehen, dich trösten. Die Arme sein, in die du läufst. Dir zusehen, wie sich dein wundervoller Charakter entwickelt und jeden Tag gemeinsam mit dir beenden, mein kleiner über alles geliebter Mini-Mensch. Bitte werd‘ nicht so schnell groß.

Dein Papa vermisst dich und ich freue mich schon, wenn ich wieder bei euch sein kann. Wenn ich durch die Tür komme und du da bist und mich anstrahlst und begrüßt als wäre nichts gewesen. Du lässt dir nichts anmerken, du wundervolles, glückliches, herzberührendes kleines Mädchen. Ich habe dich unendlich lieb.

Und jetzt sitze ich hier wieder am Flughafen und denke in diesem Moment wie jedes Mal: „…jetzt sei bitte pünktlich, lieber Flieger. Hab keine Verspätung und bring mich rechtzeitig nach Hause, damit ich meine kleine Clara noch sehe bevor sie ins Bett geht und wir wieder ein bisschen mehr Normalität einkehren lassen und die Familienzeit wieder einläuten können.

Ich liebe euch.

Was meinst du? Ich freue mich auf deine Meinung in den Kommentaren.

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Übrigens, mehr Artikel zu meinen Gedanken rund ums Mama sein findest du in der >> Kategorie #gedankenverloren << .

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