500 Tage gedankenverloren 18 mit dir

Kolumne #18 || 500 Tage mit Dir

500 Tage mit dir. 500 Tage leben. 500 Tage voller großer und kleiner Wunder und Katastrophen in unserer neuen kleinen Welt – mit Dir.

Wie in undurchsichtigen Nebelschwaden. Vor Glück. Vor Erschöpfung. Vor Liebe. Die erste Zeit war voller „erster Male“. Dein erstes Greifen. Dein trügerisches Engelslachen. Dein erstes richtiges Lachen. Deine wachen Augen. Deine erste Rolle nach rechts. Deine erste Rolle nach links – wenn wir schon dabei sind. Der Tag an dem du dich das erste Mal heimlich aus der Wippe befreit hast und dann fröhlich daneben lagst – deine neue Freiheit. Sich vorsichtig herantasten aneinander. Sich kennen lernen. Kleines Mädchen mit den stahlblauen Mandelaugen und den vollen Lippen. Deine weiche Haut, die ich so gerne auf meiner gespürt habe. Bonding für alle.

Dein ganz besonderer Geruch, der direkt ins Herz geht. Durch den ganzen Körper strömte Liebe. Und mit jedem Tag hast du ohne dass ich es bemerkt habe mir gezeigt, was bedingungslose Liebe ist. Du hast dir einen Platz in meinem Herzen freigeräumt. Ein Platz, von dem ich nicht wusste, dass es ihn gibt. Du hast dir ein neues Kämmerchen gebaut und bist eingezogen. Und seit deiner Geburt baust du aus. Immer mehr und mehr meines Herzens nimmst du mit deinem unschuldigen reinen Wesen ein. Wieviel mehr ich jetzt lieben kann… Und meine Liebe wächst und wächst. Kann ein Herz platzen vor Liebe?500 Tage vergangen seit deiner Geburt - gedankenverloren 18

Kuschelige freie Tage im Familienbett. Zu zweit. Zu dritt. Nackenstarre und Verrenkungen, weil du nach stundenlangem Umhertragen und Schaukeln endlich eingeschlafen warst und wir zu viel Angst hatten, dass du aufwachst. Im Sitzen Schlafen geht auch. Zappelnde Kinderfüße im Gesicht, neugierige Fingerchen im Ohr, feuchte Babyküsse mit halboffenem Mund. Deine Liebe unergründlich. Meine Liebe wie ein Fundament. Lange habe ich den Tag herbei gesehnt, an dem du bewusst mit mir kuschelst. Nach ein paar Hundert Tagen war es so weit. Kuscheln im Bett, auf dem Arm im Flur auf dem kuschelweichen Teppich – einfach so. Zwischendurch. Deine strahlenden blauen Augen, die leuchten wenn du dich freust. Glück springt dir aus dem Gesicht. Reine echte Freude. Dein Glück ist mein Glück.

Mit dir lernte ich einfach loszulassen. Einfach zulassen. Ändern konnte ich es eh nicht – und kann es noch immer nicht. Du hast deinen eigenen Kopf. Du gehst deinen eigenen Weg – schon jetzt. Mehr zulassen und genießen, weniger sorgen und es-richtig-machen-wollen. Weniger planen können – oder komplizierter Planen müssen. Ein Entscheidungsbaum mit einer Vielzahl von Möglichkeiten zum Ziel. Früher gab es nur einen Weg – meinen. Dann wurden zwei Stränge daraus, die zu einem gemeinsamen Ziel führten. Und seitdem du auf der Welt bist, hast du unserem Entscheidungsbaum auf ein ganz anderes Level gehoben. Komplexer. Unvorhersehbarer. Aber auch unsagbar schöner. Denn passieren nicht die schönsten Dinge, wenn man sie nicht vorhergesehen hat. Und wenn man einfach auf sein Herz hört und den Kopf vergisst. Herz über Kopf. Wunderschöne Planungsunsicherheit.

Du hast uns gezeigt im Moment zu leben. Im Hier und Jetzt. Den Moment ausschöpfen voller Glück. Nicht feststecken in alten Gefühlen. Nicht gefangen in ich-bin-beleidigt. Nicht nachtragend sein – eine Kinderstärke. Die wir erwachsenen oftmals verloren haben. Nicht so viel Zeit mit Missmut vergeuden. Leben! Lieben! Lachen!

Du nimmst uns so, wie wir sind. Und wir nehmen dich genauso, wie wir sind. Immer zusammen. Immer gemeinsam. Gegen den Rest der Welt. In unserer kleinen Höhle, kann uns niemand was. Familie an erster Stelle. Vor all den Gefahren im Leben wollen wir dich beschützen. Am Liebsten immer zwei Schritte hinter dir gehen, um das Böse, dass dich überwältigen könnte, abzuwehren, bevor es dich trifft. Werde der glücklichste Mensch der Welt – abgemacht?!

Manchmal klappt das Leben zu dritt mal besser und mal schlechter. Auch die schlechten Tage haben wir überstanden – wohl wissend, dass noch viele auf uns warten. In der Zukunft. Aber an jedem guten Tag rüsten wir uns dagegen. Laden die Akkus auf – für schlechte Zeiten. Wir sind nicht perfekt. Ich nicht, Papa nicht, du nicht – obwohl du der Perfektion schon sehr sehr nahe kommst… Verzeih mir, wenn ich manchmal böse werde. Oder laut. Oder ungeduldig. Egal was passiert, ich liebe dich. Und ich bin so stolz auf dich. Für jede Entscheidung die du selbst triffst – ob es die richtige oder falsche ist. Es ist deine Entscheidung. Und das macht dich zu einem kleinen Mädchen. Kein Baby mehr.

seit 500 Tage zu dritte - gedankenverloren 18Wir wurden gefunden. Von dir. Auch wenn wir dich geplant und erwartet haben, hast du uns erst gezeigt, dass wir dich gesucht haben. Genau dich. Suchen ohne zu wissen wonach. Finden ohne suchen. Das bist du. Glücklich, verrückt, traurig, verzweifelt, motiviert, erschöpft, anstrengend, aufregend waren die Moment mit dir. Du passierst einfach.

Genau dann, wenn ich einen Weg gehen will. Wenn ich an einem Plan festhalten will. Wenn es nicht passt. Wenn ich keinen Platz und keine Zeit für Spielchen habe. Wenn ich das Gefühl habe, es geht nicht mehr. Wenn ich sage, ich kann nicht mehr. Dann hast du dich plötzlich verändert und wurdest ganz ruhig. Spürst du mich? Spüre ich dich?

Wie viele Nächte haben wir uns um die Ohren geschlagen miteinander. Bitterlich geweint. Alleine gefühlt. Hilflos, ratlos, kraftlos. Und wie oft dachte ich, ich kann nicht mehr. Wie soll das funktionieren? Und es ging doch. Nicht von einen auf den anderen Tag. Nicht geheilt durch ein süßes Lächeln von dir (so viel Heilkraft, hat es nun auch nicht…). Und es ging doch. Immer weiter. Wie das im Leben so ist. Durch gute und durch schlechte Zeiten. Aber gemeinsam.

Hinfallen.Aufstehen.Niederlage abschütteln.Kräfte sammeln.Weitergehen.Träumen.Luftschlösser bauen.Glauben – an sich und seine Träume.Lieben – sich, das Leben und die Lieben.Hoffen.Und wenn man mal nicht mehr weiter weiss, loslassen und Zuversicht haben, das manchmal alles gut werden wird.Einfach so.Aufgeben.Neu anfangen.Mut haben, Angst zu haben.Den eigenen Weg gehen.Vom Weg abkommen.Den Weg sich finden lassen.Sich verändern und verändern lassen.Du selbst bleiben.Fehler machen.Um dann wieder von vorne anzufangen.Hinfallen.Aufstehen.

Du kleines zerbrechliches Ding. Du machtest aus mir einen zerbrechlichen Menschen. Und jeder Tag in deinem Leben macht mich genauso stolz wie melancholisch – denn je größer du wirst, desto eher wirst du deinen eigenen Weg gehen, deine Träume leben und Wünsche erfüllen. Doch egal wie und wohin, wir werden dich begleiten. Denn mein Herz habe ich in dir verloren. Und wohin du gehst, gehe auch ich.

in 500 Tagen herangewachsen - gedankenverloren 18Und der Ausblick auf die nächsten 500 Tage. Ach weißt du, die machen mich ein wenig traurig. Sentimental. So wie Regenwetter im August. So wie eine Millionen Regentropfen, die sich ohne festgeschriebenen Weg ihre Bahn entlang der Fensterschiebe suchen – zickzack. So wie wir mit dir durchs Leben gehen.

Mache deine Fortschritte, aber wachse nicht so schnell.

Lauf mit dem Leben um die Wette, aber halt manchmal doch die Zeit für uns an.

Und wenn du irgendwann im Leben stehst, sei geduldig mit uns. Dann können wir nicht mehr so schnell.

Hier lang, da lang, doch wieder umdrehen, einen Schritt vor, zwei zurück. Der Weg ist ein guter. Genauso wie er ist, ist er perfekt. Denn wir gehen gemeinsam.

„Was wir alleine nicht schaffen, das schaffen wir dann zusammen.“

Was meinst du? Ich freue mich auf deine Meinung in den Kommentaren.

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Übrigens, mehr Artikel zu meinen Gedanken rund ums Mama sein findest du in der >> Kategorie #gedankenverloren << .

4 Antworten
  1. Ena
    Ena says:

    Wunderbar geschrieben – und so wahr…

    Vielen Dank fürs Teilen deiner Gedanken!
    Und weiterhin viel Freude mit deinem kleinen Mädchen! 🙂

    Antworten
  2. Simone
    Simone says:

    So schön…du schreibst mir zu 100 % aus dem herzen. Und danke, dass du auch die anstrengenden momente erwähnst, das macht deinen text noch sympathischer und authentischer. LG simone

    Antworten

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