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Kolumne #17 || Dein eigener Kopf

50% Mama – 50% Papa – 100% Wunder

Das steht auf meiner Mutterpasshülle. Und so langsam verstehe ich, was damit gemeint ist. Nicht nur ein guter Marketingspruch, sondern viel mehr. Es ist die Wahrheit. 16 Monate kennen wir uns jetzt und so langsam blinzelt dein ICH hervor. Bis vor kurzem noch konnten wir deine Gefühlsausbrüche den Hormonen, den Entwicklungssprüngen und sonstigen Einflüssen deiner psychischen und physischen Entwicklung zu schrieben. Doch das hat jetzt langsam ein Ende. Es gab nicht diesen einen Moment, in dem uns bewusst wurde, dass sich genau jetzt dein eigener Kopf durchgesetzt hat. Nein… vielmehr war es ein schleichender Prozess. Ein ganz unscheinbarer, fast heimlicher Prozess in dem du immer mehr von dir Preis gegeben hast. Dein ganz eigener Kopf…

Bleibt doch stehen, mein kleiner Schatz. Magst du nicht ein bisschen inne halten? Es ging so schnell, da wurde aus dem Baby ein Kleinkind. Und alles entwickelt sich doppelt so schnell seitdem. Du bist jetzt kein Baby mehr. Und ich bin ein wenig sentimental. Ja fast melancholisch in manchen Momenten, wenn ich sehe, dass du deinen Weg gehen willst und wirst. Wenn du nicht mehr auf meinen Ratschlag hörst, weil es auch anders geht. Vor ein paar Monaten noch, warst du so unselbständig. Du bist nur an meiner Hand gelaufen, du wolltest ständig auf den Arm, du hast friedlich im Wagen gesessen, wenn ich dich durch die Straßen geschoben habe, du hast mit Händen und Füßen gegessen und nur in Lauten kommuniziert.Du hast deinen eigenen Kopf Gedankenverloren Kolumne 17

Und jetzt, plötzlich ist alles anders. Jetzt sprichst du. Richtige Wörter. Sagst „Mama“, „Papa“, „Oma“… Du hast dir eine „Puppa“ gewünscht und sie auch bekommen. Deine erste eigene Puppe und auch gleich deinen ersten eigenen Puppenwagen. Seitdem schiebst du diesen fröhlich durch die Wohnung – mit und ohne Puppe. Und jetzt möchtest du auch deinen Kinderwagen selbst schieben. Auch wenn das nicht so richtig gut klappt. Du keuchst und stöhnst dank des schweren behäbigen Teils, aber du gibst nicht auf. Du schiebst und schiebst, Zentimeter für Zentimeter. Und über jeden Fortschritt freust du dich so sehr, dass es mir ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Auch wenn ich endlich nach Hause will und es bei diesem Tempo wohl noch bis übermorgen dauert. Du bist schon so groß.

Jeden Morgen, wenn ich deine Zimmertür öffne, bin ich gespannt wie ein Flitzebogen. Wie du wohl heute aussehen magst? Wie du heute wohl gelaunt bist? Und was du heute wohl im Schilde führst? Was wirst du entdecken und was lässt du mich mit dir neu entdecken? Eine Nacht nur, die dazwischen liegt, aber es kann so viel bedeuten. Es kann so viel ändern. All die nervigen Sprüche von früher von Oma, Tante & Co. scheinen jetzt so wahr und so treffend: „Mein Gott, bist du groß geworden.“ „Ganz die Mama“. Sprüche, bei denen ich als pubertierender Teenager schon mit den Augen gerollt habe. Die Worte sind so wahr.

Du kleines wundervolles Wesen. Gefühlt über Nacht und Tag für Tag wirst du ein kleines mit mittelgroßes Stückchen älter. Du entdeckst du Welt Schritt für Schritt. Mit deinen tapsigen Füßchen. Mit jedem Blick aus dem Küchenfenster. Mit jedem selbständigen Ausflug auf die Terrasse von der du das bunte Treiben im Innenhof beobachten und lauthals kommentieren kannst. Mit dem Treppenauf- und –abstieg.

Warte auf mich, mein kleines Mädchen. Ich mag nicht so schnell. Bleib doch noch ein bisschen länger so klein und hilfsbedürftig. Ich mag nicht irgendwann aufhören deine Tränen zu trocknen. Ich mag nicht missen, deine Zähne zu putzen. Und will diejenige sein, an deren Rockzipfel und Hosenbein du dich klammerst, wenn du Angst hast. Lass mich deine Basis sein, wenn du dir wehgetan hast und lauf weinend in meine Arme.

Brauche mich – so wie ich dich brauche. Ein kleiner Mini-Mensch, der so viel Liebe in sich trägt und so viel Liebe aus mir herausgeholt hat. Ohne zu fordern. Du hast mich auf dich zu kommen lassen. Wir haben unser gemeinsames Tempo gefunden. Du hast mich unvergleichliche, bedingungslose, aufopfernde, überschwängliche Liebe spüren lassen. Einfach so. Nur weil es dich gibt. Weil du bist, wie du bist. Weil du so riechst, wie du riechst. Weil du das sagst, was du sagst. So wie du bist, bist du perfekt. Jeden Tag wieder.Gedankenverloren Kolumne 17 So bist du

Ja, na klar, auch mir reißt manchmal der Geduldsfaden. Auch ich habe manchmal endende Nerven. Ich bin nicht immer verständnisvoll – besonders nicht nach einer wachen Nacht mit vielen Unterbrechungen, einem Haufen an Arbeit, dem lästigen Haushalt und dem unberechenbaren Alltag. Verzeih mir, wenn ich dich nicht immer für deine Launen und Wehwehchen ein offenes Ohr und genug Geduld habe. Ich bin auch nur ein Mensch. Zwar hast du mich zu einer Mama gemacht, aber neben dem großen und immer größer werdenden Platz für dich und unsere Familie, steckt da auch noch ein bisschen Frau drin, die manchmal droht, die Nerven zu verlieren. Verzeih mir. Sein mir deshalb nicht bös. Im nächsten Augenblick nehme ich dich wieder auf und in den Arm und mache alles wieder gut. Ich lerne noch dieses Mamasein. Jeden Tag. Gemeinsam mit dir.

So wie du lernst auf deine innere Stimme zu hören, die in letzten Zeit immer lauter scheint zu rufen. Dein eigener kleiner Kopf setzt sich durch. Du lässt erahnen, wie du sein wirst. 50% Mama. 50% Papa. Ob es eine Gleichverteilung ist, lässt sich jetzt noch nicht feststellen, aber wir können sehen, was sich hinter diesem süßen, frechen kleinen Mädchengrinsen verbirgt. Ein ganz schön starker Kopf. Fast ein Dickkopf. Geduld ist wahrlich nicht deine Stärke. Wie sollte es auch anders sein. Weder Papa noch ich haben einen geduldige Charakter. Wir geben uns alle Mühe, dir ein gutes Vorbild zu sein, aber scheitern immer wieder an uns selbst. Verzeih uns.

Dafür kannst du dich stundenlang mit dir selbst beschäftigen. Wir kennen, wie du Spiele erfindest. Wie du neue Wege ausprobierst. Links herum, rechts herum, drüber und drunter. Das hast du definitiv von uns. Haben wir doch als Kind auch schon in unserer Traumwelt festgesessen, leise und vertieft in unser Spiel.

Du magst Routinen und du magst Schlafen. Du bist ein kleines Kuschelmonster und auch ein ziemlich freches Ding. Ganz schön störrisch, wenn du nicht bekommst was du willst. Du lässt dich schnell ablenken und erfreust dich an den kleinsten Kleinigkeiten. Die Liebe zum Detail hast du in dir. Du bist nicht nachtragend (ich wünschte, das hättest du von mir…) und ganz schön schlau.

Du wundervolles, glückliches, genügsames, herzberührendes kleines Mädchen. Du bist die Liebe meines Lebens. Was wird bloß aus dir? Wie wirst du sein? Wo treibt es dich hin? Und wirst du irgendwann auch zu mir sagen: „Mama du bist toll“? Du – unser kleines Wunder.

Was meinst du? Ich freue mich auf deine Meinung in den Kommentaren.

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Übrigens, mehr Artikel zu meinen Gedanken rund ums Mama sein findest du in der >> Kategorie #gedankenverloren << .

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