Gedankenverloren Kolumne 16 - Auszeit Paarzeit

Kolumne #16 || Eine Auszeit. Für unsere Paarzeit.

Eine Auszeit für die Liebe – eine Auszeit für uns.

Nicht, dass hier jetzt bei dem ein oder anderen die Alarmglocken klingeln. Nicht, dass uns ab Stunde Null die besorgten Anrufe erreichen und das Telefon nicht mehr stillsteht mit panischen Fragerunden und hysterischem Geschrei. Wir brauchen weder einen Rosenkriegsanwalt noch einen Vermögensverwalter. Keine Auszeit im Sinne der Stilllegung. Keine Pause für uns. Ganz im Gegenteil. Eine Auszeit für mehr Liebe. Für mehr Paarsein. Für endlich wieder UNS.

Wir haben genau 23 Stunden und 40 Minuten nur Zeit für uns gehabt. Als Paar. Sarah und Julius. Dieses verspätete Geburtstagsgeschenk kam genau zum richtigen Zeitpunkt und es war sehr viel schöner als vermutet. Eine Übernachtung mit early Check-in und late Check-out im 4Sterne Superior Dünenhotel im nächsten Nachbarörtchen. Zufälligerweise ein Ostseeheilbad. Glücklicherweise ein gemütliches Hotel mit Wohnfühlfaktor. Unaufgeregt, ruhig und ein toller Service. Das Personal mit einer feinfühligen Mischung aus zuvorkommend und zurückhaltend. Genau richtig für das gestresste Elternpaar von heute. Der verwunschene Waldweg zum Hotel, die schroffen aber feinsandigen Dünen dahinter und die rot-weiß gestreiften Strandkörbe im Sand zum Schutz vor dem starken Seewind waren einfach ein Traum. Eine runde Sache.

Der Slogan, das muss ich kurz an dieser Stelle noch loswerden, ganz im Gegenteil eher ein holpriger Versuch neuzeitige Marketinggesetze anzuwenden und umzusetzen. „Liebe & Meer verbinden. Die Liebe zum Gast verbindet. Der schöne Strand auch – und das Meer.“ Aber so verholpert, dass es schon wieder charmant ist. Das war aber auch unser einziger Punkt für das Feedbackformular – mit einem zwinkernden Auge, versteht sich. 😉

Gedankenverloren Kolumne 16 - Eine Auszeit. Unsere Paarzeit. - WaldwanderwegWir haben uns um kurz nach 13 Uhr am Donnerstag von unserer süßen Maus verabschiedet, die Großeltern zuversichtlich nochmal umarmt und zum Abschied bis zur nächsten Straßenecke gewunken. Clara rief uns fröhlich „‘Schöö“ hinterher und winkte was ihr kleines Handgelenk hergab. Zeit mit „O-a“ und „o-ap“ liebt sie – zum Glück. Daher keine Gewissensbisse, Sorgen oder Bedenken auf unserer Seite. Einfach pure Freude. Ab ins Glück. Hinter der ersten Biege haben wir das Panoramadach geöffnet, das Radio voll aufgedreht und sind die Landstraße Richtung Auszeit entgegen gecruised. Mag sein, dass mir auch ein „Wh-oooo-hoo“ entglitten ist, aber das können – wenn überhaupt – nur die zwei Kühe und der irritierte Opa auf dem motorisierten Rollator am Straßenrand bezeugen. Beide Zeugen sind aber wenig glaubwürdig. Whoop, whoop.

Nach 10,5 km waren wir am Ziel. Angekommen in unserer Paarzeit. Den Kofferraum voller Taschen mit Sehnsucht nach Zweisamkeit, Ruhe und Erholung. Wellness, ahoi! Außerdem im Gepäck zweierlei Sportschuhe, Wollsocken und Badeanzug. Weil wir uns einfach nicht entscheiden konnten, wie wir die kurzzeitig gewonnene Zeit nutzen wollen. Einfach 23 Stunden schlafen oder die Paarzeit und Ruhe gemeinsam genießen und nutzen, exzessiv Sport treiben … Ein hin und her. Wie soll man sich denn da entscheiden?! Ausschlafen oder Frühsport. Wellness oder Fernsehen im Kingsize Bett. Gepflegt wegscheppern oder noch ein mitternächtlicher Saunagang. Romantische Abendgestaltung oder früh ins Bett gehen und Schlaf nachholen. Schwierig, schwierig…

Ich sag nur so viel, wir haben uns erst etwas treiben lassen, sind dann gemütlich am Strand entlang spaziert, haben den sprudeligen Prosecco aus der Mini-Bar getrunken, sind nach einer Runde in der Bio-Sauna nach dem Eisbad im kuscheligen Bademantel vor dem Panoramafenster beide einfach eingeschlafen (die gemütlichsten Liegen der Welt!), haben uns beim Abendessen gepflegt weggescheppert und haben dann … irgendwann (schlaf)trunken den Fernseher ausgeschaltet.

Gedankenverloren Kolumne 16 - Eine Auszeit. Unsere Paarzeit. -  In Ruhe EssenAuch wenn wir vorher nie daran geglaubt hätten: Die Entspannung und Erholung kam mit der ersten Minute.  Ich hätte im Leben nicht gedacht, dass man so schnell runter und raus kommt. Entschleunigung in Höchstgeschwindigkeit. Ich hatte vermutete, dass wir die ersten Stunden nur über Clara sprechen, zu Claras Schlafenszeit nervös aufs Handy gucken, und nie so ganz abschalten. Aber weit gefehlt.

Nach dem ersten Schluck Willkommensprosecco, den man überraschend gut trinken konnte, machte sich die Entspannung breit. Kein Wort über Clara. Ja, sicher, der ein oder andere Gedanke ab und an, aber der flog eher zügig durch den sonst leeren und gedankenfreien Schädel. Sehr angenehm. Seit dem Willkommensprosecco leicht besudelt, haben wir in Ruhe auf der Sonnenterrasse eines Dünenrestaurants zu Mittag gegessen, sind mit einem Americano to go über den Waldwanderweg geschlendert und hatten alle Zeit der Welt danach noch einen Saunagang und einen „Power Nap“ zu machen um dann frisch geduscht pünktlich um 20 Uhr beim Abendessen zu erscheinen. 4-Gänge-Menü par excellance. Nur zu empfehlen! Es war so lecker, Leute, abgefahren köstlich! Ehrlich. Das Vorspeisenbuffet war schon so überwältigend, dass wir doch glatt den zweiten Gang, das Champignon-Süppchen, vergessen haben. Egal, bis zur Käseauswahl am Ende hätten wir es mit dem Süppchen sicherlich nicht mehr geschafft. Also, alles richtig gemacht. Es war köstlich.

Das Essen schmeckte schmackhafter, der Wein trank sich süffiger. Mit Zeit an der Hand und Ruhe im Nacken, lässt es sich viel besser genießen. Und wir haben geredet und gelacht und genossen und gegessen und getrunken. Und ich war sehr sehr begeistert und beruhigt, dass wir uns so viel zu sagen hatten. Nicht, dass ich daran gezweifelt hätte, aber manchmal ist man ja doch überrascht und es erwischt das ein oder andere Elternpaar eiskalt. Worüber reden, wenn nicht übers Kind. Bei uns nicht der Fall. Was eine Freude! Wir haben einfach gequasselt und unsere Gedanken treiben lassen. Es war befreiend einfach mal loszulassen. Nur für uns zu sein. Den Gedanken freien Lauf zu lassen und nicht auf ein Kind achten zu müssen. Eine schöne Erkenntnis, dass wir beide wir geblieben sind. Mit ohne Kind.

Gedankenverloren Kolumne 16 - Eine Auszeit. Unsere Paarzeit. - Dinner mit SonnenuntergangWir waren tatsächlich die letzten Gäste im Hotelrestaurant. Mit einem exklusiven Blick auf den Sonnenuntergang hinter den Dünen über dem Meer. Mit einem Gläschen Lillet Spritz. Cheers! Auf dem Hotelzimmer noch ein Betthupferl und eine „Gute-Nacht-Schokolade“ 😉 Ein gemütlicher Ausklang im großen bequemen Bett, in das wir augenblicklich eingesunken sind mit der Befürchtung uns nie wieder aus dem Plümo befreien zu können. Wir haben es dann doch geschafft – ausgeschlafen, am nächsten Morgen um 10 Uhr.

Aber ehrlich gesagt, hat uns hauptsächlich die (Neu)Gier nach dem Frühstücksbuffet aus den Federn getrieben. Es gibt ja diese Detoxkur, bei der man 12 Stunden lang nichts essen sollte. Check. Zwischen Abendessen und Frühstück lagen genau 12 Stunden als wir frisch geduscht an unserem Frühstückstisch saßen. All unsere Wünsche wurden erfüllt. Omelette nach Wunsch, Tartar, Räucherlachs, rheinische Leberwurst, Ziegenfrischkäse, französischer Brie, Schweizer Gruyère, selbstgebackene Croissants, Brötchen, Schwarzbrot… Es gab alles! Und wir haben ganze 2 Stunden lang gefrühstückt. Und waren abermals die letzten. Uuups …!

Mit einem kleinen Präsent und einem Fläschchen Wasser als Dankeschön für unseren Aufenthalt ging es dann nach fast 24 Stunden wieder zurück nach Hause. Gestärkt. Ausgeruht. Voller Vorfreude. Wieder zu unserer wundervollen Tochter und zurück in den Familienalltag, der uns jetzt noch viel rosiger und schöner vorkam. Mit vollgeschlagenen Bäuchen und mit Liebe betanktem Herzen.

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Übrigens, mehr Artikel zu meinen Gedanken rund ums Mama sein findest du in der >> Kategorie #gedankenverloren << .

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