Titel gedankenverloren - Eitelkeit als Mama

Kolumne #15 || Wieviel Eitelkeit ist Mama gestattet?! – Zwischen Maniküre und Matschhose

Es gibt Tage an denen möchte man am liebsten gar nicht vor die Türe gehen. Diese Tage gab es vor dem Mamasein und diese gibt es genauso häufig auch seitdem ich Mama bin. Sprüche wie „Duschen wird überschätzt.“ oder „Als Mama hat man eben keine Zeit für einen Frisörtermin.“ habe ich in der Schwangerschaft häufig gehört und mir immer geschworen, so wirst du nicht. Du bleibst du.

Das kann doch nicht so schwer sein. Ein Stündchen zum Frisör. Mal kurz an den Maniküre-Tresen gesetzt. Ungeduscht geh ich auf keinen Fall aus dem Haus. An letzteres habe ich mich auch gehalten. Aber den Frisör habe ich das erste und letzte Mal von innen gesehen, als ich Clara abgestillt hatte. Und zur Maniküre – pah! – das lohnt sich eh nicht. Mit Clara kann ich dort nicht hingehen, weil sie nach 5 Minuten in dem Gasgemisch aus Nagellack und Gel wahrscheinlich halluzinierend auf dem Boden liegen würde. Beim Frisör nicht ganz so schlimm, aber ähnlich, wenn die stilbewusste junge Frau neben mir sich Foliensträhnchen ins Haar ziehen lässt. Was für eine Zeit muss man dafür haben. Was für eine Ruhe mitbringen. Da sich dann nur das Wochenende oder der Montag anbietet, fällt bei mir schon seit Monaten der Frisörtermin flach. Montag geschlossen. Wochenende zu voll.

Meine neue Lieblingsfrisur ist also der Dutt. War ja schwer im Kommen dieser „out of bed“ Look. Wahrscheinlich hat ihn auch eine gestresst Mutter ‚en vogue‘ gemacht – oder Herr Lagerfeld hatte eine gestresste Mutter als Muse. Jeden Falls ist mit Kind die Pflege des eigenen Ichs und die Erfüllung des Mindestmaßes an gemeingültigen Beauty Regeln ein regelrechter Kraftakt. Oder vielmehr ein Organisationsakt.

Was dringend und wichtig ist vermischt sich zunehmend. Maniküre – pah! Pediküre – doppel-pah! Frisörtermin fällt aus wegen „is‘ nich‘“. Augenringe ist mein neues Make-up und der Fön hat vorerst Pause.

So langsam darf auch mal wieder geklotzt werden. Geklettert wird hier im Haushalt mit einer 15-Monate alten Tochter ja mehr als genug. Also habe ich mich recht schnell gefangen und habe den Rougepinsel wieder zu seiner ursprünglichen Funktion genutzt und ihn zum Schminkspiegel gelegt. Vorbei die Zeit in der er als Bestäuber für Julius Zitronenbaum gedient hat. Das Bäumchen trägt Früchte, jetzt gilt es Mama mal wieder ‚blühen‘ zu lassen.

Wie viel ein Frisörbesuch, ein Körperpeeling und ein Abend mit den liebsten Freundinnen ausmachen, kann sich wahrscheinlich jede Mama vorstellen. Denn selbst als Nicht-Mama hat solch ein Tag das Potenzial ein ziemlich guter zu werden. Beim Friseur kam zwar im ersten Sommer nach Claras Geburt ein Ombre-Look dabei heraus, der mir persönlich ein bisschen zu blond war, aber egal… Das frisch geföhnte Gefühl wenn man den ersten Schritt aus dem Friseurladen heraus auf die Straße setzt, war fantastisch. Beschwingt wie in Zeitlupe kam ich mit einem riesigen Grinsen die Straße entlang und nach Hause geschlendert. Auf dem Weg gab’s ein Eis. Mir kam eine junge Mama entgegen, die perfekt gestylt in High Heels ihren Kinderwagen schob. Und ich dachte so bei mir: „Respekt. Coole Mama.“ Wohingegen ich diese Mamas früher immer belächelt habe, weil ich nicht verstehen konnte, warum man sich noch so aufbretzeln muss, wenn man doch offensichtlich ganz andere Aufgaben im Alltag zu bewältigen hat. Dabei stören die High Heels doch nur und die Frisur ist nach einmal Stillen und der Breimahlzeit doch eh hinüber. Das ist doch nur die Eitelkeit.

Doch jetzt weiß ich, genau diese Eitelkeit hält Mama am Leben. Warum denn nicht?! Eitelkeit darf sein – wenn wir sie als natürliche Freude an der eigenen körperlichen Schönheit oder der geistigen Vollkommenheit, dem eigenen Körper, dem Aussehen und der Attraktivität oder der Wohlgeformtheit des eigenen Charakters verstehen; sagt Wikipedia.

Ist man denn gleich eine weniger gute oder fürsorgliche Mama, wenn man auch auf sich selbst achtet? Ist man gleich weniger aufmerksam, wenn man sich täglich – manchmal auch mehrmals, verrückt – duscht und sich die Haare zu einer Frisur föhnt, sich die Fingernägel lackiert und Gedanken über sein Outfit macht und nicht einfach in den Kleiderschrank greift? Nein, definitiv nicht.

Mama darf genauso eitel sein, wie jede andere Frau auch. Denn – surprise, surprise – jede Mama war, ist und bleibt ja auch immer eine Frau. Eine Frau mit einem bestimmten Selbstbild und Selbstanspruch. Mit Gelüsten, Wünschen und Beauty Regeln. Und die können reichen von „Ungeduscht geh ich nicht aus dem Haus“  bis zu „Ich trage auch auf dem Spielplatz High Heels und den neusten Shellac“. Na, und? Wenn sie mit den High Heels und den manikürten Nägeln schnell genug beim Kind ist, wenn es in Richtung Straße ausbüchst oder getröstet werden will, wenn es von der Schaukel gefallen ist. Sei wie du bist, Mama, denn genauso bist du gut.

Gedankenverloren Eitel als Mama

Eitel sein als Mama…für mich hat es nicht nur etwas mit dem Aussehen zu tun, sondern ganz viel mit Zeit und Wertschätzung für sich selbst.

There is no way to be a perfect mother but a million ways to be a good one, habe ich mal irgendwo gelesen. Eben drum. Es wird immer Leute geben, die den eigenen Stil nicht verstehen werden, mit der Zunge schnalzen und dem Kopf schütteln oder denen sogar ein vorwurfsvoller Kommentar über die Lippen kommt. Auch alles schon erlebt. Besonders auf unserer Asienreise. Wie viele deutsche (!) vorwurfsvolle Blicke wir aushalten mussten, als wir mit Clara in der Trage durch Angkor Wat gekrachselt sind. Ich werde nie vergessen, wie eine ältere deutsche Dame uns beobachtet und verständnislos den Kopf geschüttelt hat und dabei zu ihrer noch betagteren Kaffeefreundin sagte: „Diese jungen Leute heutzutage. Wollen auf nichts verzichten. Können sich nicht zurück nehmen. Das arme Kind, das ist ja noch ein Baby. Und es muss überall mit. Das ist doch viel zu heiß. Sowas kann man einem Kind doch nicht zumuten. Das finde ich unverantwortlich.“ Und – ganz ehrlich – das hat mich verletzt. Verletzt und verunsichert. Ja, es war heiß. Und sicher hätte es Clara an dem Tag auf einer Spieledecke im Schatten auf einem deutschen Spielplatz besser gefallen. Aber wir sind eben eine Familie. Und dazu zählen auch wir als Sarah und Julius. Jeder für sich. Und uns als Familie hat diese Reise und diese Erfahrung, die wir seitdem miteinander teilen,  sehr viel gebracht.

Denn die Eitelkeit, kommt auch der Partnerschaft zu Gute. Welche Frau fühlt sich nicht sexy mit neuer Frisur, einem schönen Outfit und einem strahlenden Lächeln. Wenn ich glücklich bin, strahle ich von innen. Und das ist doch wohl die reinste Form der Schönheit. Wenn ich mich selbst im Spiegel ansehe und denke „Du bist schön.“, dann mag das eitel sein, aber es macht mich glücklich. Und wenn Mama glücklich ist, ist auch Papa glücklich. Und wenn die Eltern glücklich sind, ist auch Clara glücklich. Also win-win für alle. Und Eitelkeit fordert doch auch keine Opfer. Nur mehr Organisation und Planung. Aber das Gute ist, das Ergebnis ist direkt sichtbar. Der Weg ist das Ziel.

Neben all den neuen Rollen, die man jetzt unter einen Hut kriegen muss, ist doch gerade auch die Rolle als „Ich“ eine der wichtigsten. Und gerade die kommt meistens zu kurz. Daher, Mamas so wie Mädels gleichermaßen: Achtet auf euch. Verwöhnt euch. Nehmt euch Zeit für euch selbst. Nägel machen auch wenn du gleich wieder auf dem Spielplatz Sandburgen baust. Ja, klar! Ausgiebig duschen, während der Drops im Badezimmer fasziniert die Duschbrause beobachtet. Warum nicht! Zum Frisör und einfach nur die Spitzen schneiden. Definitiv! Und High Heels zum Kinderwagen. Aber hallo! Die Mamas, die ich kenne, bewundern solch ein Selbstverständnis eher als das sie es verurteilen würden. Respekt vor dem Selbstmanagement.

Ich meine, warum gibt es denn die Vielzahl an Sportkursangeboten mit Kind oder mit Kinderbetreuung? Doch nicht, weil es so schlecht fürs Kind ist oder alle Mamas plötzlich selbstverliebt sind. Nein, sondern weil man mittlerweile die Möglichkeit hat Mamasein und Mamaliebe unter einen Hut zu bringen – ob das zu Hause, beim Barre Workout oder Fit dank Baby Kurs ist. Völlig egal. Hauptsache Mama und Kind sind happy. Muss ich mich schlecht fühlen, wenn Clara regelmäßig zur Kinderbetreuung ins Fitness Studio geht. Ich denke nicht. Besonders nicht, wenn sie schon freudig durch die Türe tapst und sich auf die Magnettafel stürzt und mir nur noch obligatorisch zuwinkt. Würde sie sprechen können, würde sie sicher sagen: „Mama, geh endlich. Du bist so peinlich. Die andren Kinder gucken schon. Bis später. Und komm nicht wieder früher als abgemacht.“ Jaja…

Eine schwangere Freundin fragte mich letztens, ob es ok ist eitel zu sein. Denn sie wolle auch schwanger nicht auf ihren Sport verzichten. Und sich herausputzen und stylen und mit ihrem Mann ausgehen. Go for it. Los geht’s! Alles das, was dich glücklich macht, war meine Antwort. Also, eitel sein erlaubt. Eitel sein, erwünscht. Wenn man Eitelkeit mehr als natürliche Freude an als die übertriebene Sorge um die eigene körperliche Schönheit oder die geistige Vollkommenheit, den eigenen Körper, das Aussehen und die Attraktivität oder die Wohlgeformtheit des eigenen Charakters versteht.

Also wer kommt mit zum Frisör und schlüpft mit mir danach in die High Heels, um am Sektstand auf  dem Wochenmarkt am Carlsplatz mittags um halb eins den ersten Rosé in der Sonne zu genießen bevor wir mit unseren geliebten Knirpsen Sandburgen bauen – barfuß, die High Heels an den Rand geschmissen. Denn schön und glücklich bauen wir die höchsten, schönsten, tollsten Sandburgen.

Was meinst du? Ich freue mich auf deine Meinung in den Kommentaren. 🙂

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Übrigens, mehr Artikel zu meinen Gedanken rund ums Mama sein findest du in der >> Kategorie #gedankenverloren << .

1 Antwort
  1. Yvonne
    Yvonne says:

    Ich habe auch schon vor meiner Tochter gerne Dutts getragen. Einfach weil die bei Haaren bis zum Steißbein extrem praktisch sind.
    Die meisten Dutts die ich kenne, haben mit Out-of-the-Bed-Style nicht viel gemein.

    Da wird oft erst geflochten und dann kunstvoll eingewickelt mit gaanz vielen Nadeln oder auch nur gedreht und dann mit wunderschönen Haarspangen/Stäben/Forken zusammen gehalten.
    Es gibt davon so viele Variationen wie es Dutt-TrägerInnen gibt. Ja, auch Mann trägt Dutt. Zumindest ein paar gibt es, ich habe im Langhaarnetzwerk, einem Forum für Langhaarige, auch ein paar Männer „kennen gelernt“ die ihre langen Haare gern gepflegt haben und sie dementsprechend im Alltag auch versorgen. 🙂

    Mit meiner Tochter wurden die Haare kürzer, weil der Haarausfall nach der Schwangerschaft nicht mehr aufhört, den hab ich jetzt seit gut 7 Jahren. Es war irgendwann nur noch frustrierend. Eine Ursache kann (oder will?) nicht gefunden werden.
    Langsam werden sie trotzdem wieder länger und verschwinden nach und nach wieder in schönen Dutts oder Stabfrisuren.

    Ich wünsche dir noch ein schönes Wochenende.

    Antworten

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