Kolumne #13 || Mama allein unterwegs Oder: Papa allein zu Haus’ …

Das erste Wochenende allein unterwegs war großartig – aber auch ganz schön ungewohnt. Irgendetwas fehlte. Clara. Meine kleine Familie. Ohne Clara. 48 Stunden. Es war eine verdammt lange Zeit. Und ich hätte es mir nicht so schwer vorgestellt…

Das Wochenende war wunderschön. Ein Mädelswochenende wie es besser nicht hätte sein können. Wenn eine der besten Freundinnen zu ihrer großen Liebe endlich „Ja“ sagt und das vorab gebührend mit den engsten Freundinnen gefeiert werden kann, dann ist das wohl mit das schönste Ereignis in einer Freundschaft. Jahre kennen wir uns nun. Gesehen und verliebt. Ja, bei manchen war es Liebe auf den ersten Blick. Eine Freundschaft für die Ewigkeit. Hoffentlich. Verteilt in ganz Deutschland – bis in die Schweiz. Die 20 fast hinter sich gebracht oder schon in den Mitt-Dreißigern. Mit Kind, schwanger oder in gedanklicher Vorbereitung aufs Kinderkriegen. Alles vertreten. Wir alle befinden uns an ganz unterschiedlichen Stationen des Lebens, aber stiegen an diesem Wochenende doch alle in den gleichen Zug. Denn die Richtung ist für uns alle die gleiche: gemeinsam immer weiter.

Wie gut Zeit mit den engsten Freundinnen tut, ist mir an diesem Wochenende mal wieder bewusst geworden. Das ist mit nichts aufzuwiegen. Nichts kann das ersetzen. Zeit mit den Engsten. Wir hatten eine Pyjamaparty geplant. Eine wie in diesen kitschigen Hollywood-Girly-Filmen à la „30 über Nacht“ & Co. Mit Musik der Teeniezeit, Pizzalieferservice, von einer ganz lieben Bekannten selbst designte Kuschelshirts #TeamBride (@vrau.vactory Danke nochmal. Schaut doch mal vorbei!), viel Gelächter, alten Geschichten, vergessen geglaubte Erinnerungen an die gute alte Zeit, liebevollen Umarmungen, Tanzeinlagen im Wohnzimmer, Tränen vor Freude und Abschiedstränen. Weil die Zeit einfach viel zu schnell vorbei geht. „Das müsste man viel öfter machen.“ Ja, müsste man, aber diese Zeit ist die, die fehlt… Deshalb erfreuen wir uns umso mehr an den Stunden die wir hatten.

Und auch wenn es wunderschön war mit den Mädels. Ich habe meine kleine Familie vermisst. Clara insbesondere. Ohne ihre Umarmungen und feuchten Kinderküsse, ohne ihr glucksendes Lachen und Gequietsche auf dem Schaukelpferd, ohne ihren ganz besonderen Geruch in der Nase, wenn sie sich an mich schmust und ja, auch ohne ihr Gemecker und Gezeter und ihre klettigen Fingerchen an meinem Bein. All das habe ich vermisst. Das erste Wochenende ohne Clara war so seltsam. Ohne dieses kleine Ding auf dem Arm. Ohne sie morgens aus ihrem kleinen Bettchen zu holen, wo sie schon sehnsüchtig am Geländer steht, protestiert und wartet.Gedankenverloren 13 Kolumne - Beste Freundinnen

Wie sehr ich doch auch eine gluckende Mutti bin. Eine Bekannte war letzte Woche fünf Tage auf Geschäftsreise. FÜNF(!!) Tage. Im Leben nicht. Nein, danke. Jetzt noch nicht zumindest. Denn auch wenn ich das kleine Teil vermisst habe, es war auch schön mal wieder nur Freundin zu sein. Das Mädchen in mir. Ohne Verantwortung und Verpflichtung. Einfach mal hohl drehen. Einfach kreischend zum Selbstauslöser mit dem lauwarmen Piccolo am Mittag in der Hand von der Parkbank springen. Im Platzregen verrückt mit den Hagelkörnern und den Freundinnen tanzen und fanatisch-frenetisch durch Pfützen springen. Danach pitschnass bei einer „Barbara“ (Prosecco, Rhabarbersaft, Limette, Minze – seeeehr lecker!) im Café sitzen und lufttrocknen. Die Nasen gegen die Fensterscheibe drücken und auf den Moment hoffen, in dem der Himmel wieder aufklart und die Sonne zum Vorschein kommt. Mit dem Gesicht gen Himmel gereckt im Regen stehen ist die absolute Kindheitserinnerung, findet ihr nicht?

Und es klarte auf und die Sonne schien mit uns um die Wette. Bis zur Schwarzwaldpforte haben wir es geschafft und nach einer Runden Gin Tonic und Tomatensuppe feierlich entschieden den Schwarzwald Schwarzwald bleiben zu lassen und zurück ins Häusle zu fahren um weiter zu feiern. Eine gute Entscheidung. Perfekter Tag. Perfektes Wochenende. Perfekter Mädelsabend.

Und wenn es mir vorher nicht so bewusst war, ich war meinem Mann an diesem Abend aus der Ferne so dankbar, dass ich diese Zeit erleben konnte. Danke. Dass er sich ohne Sorgen und Bedenken dazu bereit erklärt hat ein ganzes Wochenende mit Clara zu verbringen. Alleine – ohne Backup. Das macht auch nicht jeder Mann. Besonders wenn die eigenen Eltern im Urlaub sind und er als Notlösung nicht einmal zu Oma und Opa hätte fahren können. Brauchte er natürlich auch nicht. Aber manch ein Papa hätte sich vielleicht gesorgt. Egal, was die anderen auch tun oder nicht tun. Ich bin meinem Prachtkerl auf jeden Fall sehr sehr dankbar, dass er allein mit Clara zu Haus geblieben ist. Und dass er es – noch viel besser – sehr genossen hat.

Alle paar Stunden bekam ich ein exklusives Video vom Spielplatz, Balkon oder Abendbrot und zahlreiche Fotos von meinen beiden. Das half über die Sehnsucht hinweg. Aber trotz der wunderschönen Zeit mit den Mädels und den Videos von Clara, hatte ich noch nie so einen inneren Drang verspürt mit Clara ihr Lieblingsbuch zu lesen, Bauklotztürme zu bauen und Schaukelpferd zu schaukeln wie am Sonntagnachmittag auf der Rückfahrt.

Daraus wurde allerdings erst einmal nichts. Denn als ich zur Tür herein kam, empfing mit ein totkranker Mann und ein lethargisch gegen die Wand starrendes kleines Mädchen, dass bis zum Abend hin plötzlich 40.1° Fiber bekam. Danke, dass ihr euch das Gröbste für Mama aufgespart habt. Da war es also schlagartig vorbei mit „Keine Verantwortung, keine Verpflichtungen“. Mama war gefragt. Und die Erstversorgung funktionierte einwandfrei, trotz 48 Stunden Pause. Clara hatte sich innerhalb eines Tages wieder gefangen. Julius kämpft leider immer noch. Und ich bin todmüde vom Wochenende, von der Erstversorgung, Krankenpflege und dem Arbeiten – aber schwimme noch immer auf der Welle der Euphorie und Glückshormone des Wochenendes.

Deswegen zählt auch das Motto des Wochenendes noch immer und ebenso für unsere Freundschaft:

„Egal was kommt, es wird gut, sowieso, immer geht ‚ne neue Tür auf, irgendwo, auch wenn’s grad nicht so läuft wie gewohnt, ist egal, es wird gut, sowieso.“

PS: Wenn dir #gedankenverloren gefällt, folge uns doch auch bei PinterestInstagram und Facebook.

* So gekennzeichnete Links sind Affiliate-Links. Wenn Du darüber bestellst oder buchst, kostet es für dich keinen Cent mehr. Wir bekommen aber eine kleine Provision und du kannst uns so unterstützen, ohne dass es dich etwas kostet.

0 Antworten

Hinterlasse einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte dir auch gefallen

Gedankenverloren Kolumne 20 Titelbild

Kolumne #20 || Danke, Mama. Danke, mein Mädchen.

Ich denke, es ist einmal an der Zeit einfach Danke zu sagen. DANKE, Mama – Oma und Opa. Danke, mein kleines Mädchen auch dir. Kennt ihr den Brief aus der Huffington Post einer Mutter an ihre Tochter? Da bin ich letztens zufällig drüber gestolpert und habe wie auf Kommando nach den ersten vier Sätzen Rotz und Wasser geheult. Wie viel Wahrheit in diesen Zeilen steckt, ist Wahnsinn und sie brachten mich zum Nachdenken. Immer und immer wieder muss ich an diese Zeilen denken. Denn in Ihnen verbirgt sich so viel Wahrheit und eine zweite Ebene unter der unbeschreiblichen Liebe zur eigenen Tochter. Es ist Liebe und tiefe Dankbarkeit an die eigene Mutter und die Angst vorm Älterwerden mit einer Tochter, die immer eigenständiger wird. Und plötzlich sitze ich da mit dicken Krokodilstränen, die über mein Gesicht rollen ohne zu wissen, was ich fühle. Ich kann nicht in Worte fassen, welches Gefühl es ist, das mich zum Weinen bringt. Und wie sehr meine Tochter meine Welt erschüttert, jeden Tag…

Titelbild gedankenverloren 19

Kolumne #19 || Wenn Papa wieder den Koffer packt (Autor: Der Papa)

Letzter Sonntagabend. Wir hatten einen schönen Tag zusammen verbracht, hatten das schöne Wetter genossen und es uns gutgehen lassen. Und gleich war es an Zeit für Clara ins Bett zu gehen. Clara lachte, aber ich war irgendwie traurig und betrübt, denn ich wusste, dass ich ausnahmsweise bereits am Montagmorgen wieder los musste… Los, zur Arbeit. In den Flieger steigen und weg von euch. Wieder eine Woche unterwegs sein. Ohne euch. Mir brach es das Herz.

500 Tage gedankenverloren 18 mit dir

Kolumne #18 || 500 Tage mit Dir

500 Tage mit dir. 500 Tage leben. 500 Tage voller großer und kleiner Wunder und Katastrophen in unserer neuen kleinen Welt – mit Dir. Wie in undurchsichtigen Nebelschwaden. Vor Glück. Vor Erschöpfung. Vor Liebe. Die erste Zeit war voller „erster Male“. Durch den ganzen Körper strömte Liebe. Und mit jedem Tag hast du mir, ohne dass ich es bemerkt habe, gezeigt, was bedingungslose Liebe ist. Du hast dir einen Platz in meinem Herzen freigeräumt. Ein Platz, von dem ich nicht wusste, dass es ihn gibt. Du hast dir ein neues Kämmerchen gebaut und bist eingezogen. Und seit deiner Geburt baust du aus. Immer mehr und mehr meines Herzens nimmst du mit deinem unschuldigen reinen Wesen ein. Wieviel mehr ich jetzt lieben kann… Und meine Liebe wächst und wächst mit jedem Tag.

Über uns

Beliebteste Beiträge

Folge uns auf Facebook

Folge uns auf Instagram

Quote of the week

"Ein Kind ist eine kleine Hand, die zurückführt in eine Welt, die man vergessen hat."

Unbekannt

Beitrag oder Thema suchen

Archiv

Archive

Beliebte Kategorien