Kolumne #10 || Date Night – ein Plan für die Liebe.

Es hört sich an wie ein Film aus den 80ern. Einer dieser Filme, mit schwacher Story und noch schwächerer Besetzung, die es nicht einmal in die Kinos geschafft haben. Oder nicht länger als eine Woche im Programm liefen und dann abgesetzt und als DVD herausgebracht wurden. Eher schlecht als recht. Und da verstaubt er nun seit einer Ewigkeit in den Regalen der DVD-Thek und wartet darauf Kult zu werden. Trash. Alles was heutzutage so schlecht ist, dass es schon wieder eine gewisse Art von Intelligenz hat und uns unvermittelt an die damalige Zeit erinnert, ist heute Trash. Nicht heruntergekommen, sondern Szene. Nicht schlecht, sondern Trash.

Wie ich jetzt den Bogen zu uns schlagen soll, ist mir gerade noch ein Rätsel. Denn meine Präambel macht entweder Müll aus uns oder einen Reinfall. Dabei war es doch seit langer Zeit einer der schönsten Abende, die wir zusammen hatten. Ein Date. Ein ganz spontanes Date nur für uns zwei. Mein Mann und ich. Als Paar. Als zwei Menschen, die sich lieben. Die auf sich konzentriert sind. Die sich zuhören. Die sich in die Augen schauen und sich sehen. Die hören was der andere sagt. Auch zwischen den Zeilen. Denn dafür ist endlich Mal Zeit. Und Ruhe.

Es war unser erstes Date seit gefühlt sehr langer Zeit. Warum soviel Zeit verstrichen ist, fragten wir uns, als wir in diesem gemütlichen Szene–Bistro (da ist es wieder.) saßen und an unserem sehr rosafarbenen Rosé nippten. Ach, was sag ich. Hineingekippt haben wir uns das erste Glas. Vor lauter Freude! Freude über den Abend zu zweit. Die paar Stunden. Wir haben mit jedem Schluck zelebriert, dass wir wieder ein Teil dieses ‚Nachtlebens’ sind. Das, was wir früher so oft und so gerne und so gut gemacht haben. Die Nächte um die Häuser ziehen. Oder auch einfach Mal im Restaurant versacken, mit noch einer Flasche Wein, einem Dessert, einem Schnäpschen hinterher und noch einem letzten Drink. Das konnten wir gut. Die Läden abschließen. #derletztemachtdaslichtaus In der kleinsten Weinbar der Stadt, die meisten Weine ausprobieren. Das konnten wir. Und dabei über alles und nichts zu reden. Manchmal mit Tiefgang, manchmal auf ganz tiefem Niveau. Wo hat sich diese Welt bloß all die Monate versteckt?! Oder vielmehr: Wo waren wir? Und wenn ja, wie viele.

Und das war das Problem. Für dieses ‚Nachtleben’ waren wir einer zu viel. Clara. So sehr wir unsere Clara lieben. Und so dankbar wir jeden Tag für sie sind. Umso schwerer fällt es, sich einzugestehen, dass wir auch immer mal wieder Freiräume für uns brauchen. Paar sein. Liebende. Nicht nur Seite an Seite im Alltagsstress. Auch wieder Arm in Arm in den vom Nachtleben erleuchteten Straßen der Stadt mit einem Bierchen in der Hand.

Und da saßen wir nun um 20:30 Uhr in diesem klitzekleinen französisch angehauchten Bistro, das uns eine Freundin empfohlen hatte (natürlich kinderlos). Glitzerfische an der Wand. Naturweine auf der Karte. Dazu gab es selbstgezupfte Artischocke, Kalbsnierchen, Pot au Feu und allerlei Kleinigkeiten und Besonderheiten, die uns ein Lächeln ins Gesicht zauberten. Was haben wir diesen maßlos überteuerten Schwachsinn auf der Menukarte vermisst, denn das bedeutete, dass ich nicht mit Schürze und Dutt in der Küche stand und den Kochlöffel schwang. Nein, ich saß diesmal da, in einer gebügelten, sauberen, schnodderfreien weißen Bluse, schwarzer Skinny low ankle Jeans und pinken Flats – #wenndannrichtig – und freute mich. Egal ob ich die Menukarte nun verstand oder nicht. Denn ganz ehrlich, das tat ich nicht im Geringsten. 80% der Gerichte waren mir völlig fremd und musste ich heimlich unterm Tisch googlen. #wassolldassein Also bestellten wir einfach das, was sich am lustigsten anhörte und ließen uns überraschen… #etepetete

Und ja, als wir beide so da saßen, gab es diesen einen Moment in dem wir gemerkt haben, wie sehr wir das alles vermisst haben. In dem wir uns als Mann und Frau wahrgenommen haben. Oder als die verrückten emotionalen Thirties, die mal nicht an das Kind dachten. Wir schauten vermutlich vorher eine ganze Weile durch den Laden, ließen den Blick von Tisch zu Tisch schweifen und versuchten jedes Detail aufzusaugen und abzuspeichern, als würde es uns die nächste Date-Night schon näher bringen. Und als sich unsere Blicke dann trafen und uns bewusst wurde, wie dämlich und verstörend wir in den letzten Minuten wohl ausgesehen haben müssen, lachten wir lauthals los. Wer bis dato noch dachte, wir wären ganz normal, wurde spätestens jetzt in die Flucht geschlagen.

Noch mehr Zweisamkeit – bestens. Ehrlich, das war eine Erleuchtung. So etwas müssen wir wieder viel öfter machen. Nur mit dem Babysitter wird’s dann schwer. Glücklicherweise hatten sich meine Mutter und ihr Partner kurzfristig bereit erklärt bei Clara zu bleiben – auch wenn sie natürlich die ganze Zeit schlief. Ohne dieses Angebot hätten wir Date Night knicken können und es wäre vermutlich wieder viel zu viel Zeit vergangen.

Nicht mehr mit mir. #blutgeleckt

Früher habe ich diejenigen immer belächelt, die meinten, sie würden jeden ersten Donnerstag im Monat ein Date mit ihrem Mann haben. Ich fand das seltsam. Ich fand das viel zu steif und zu starr und zu gestochen. Zu geplant. Aber jetzt weiß ich, egal wie man diese Zeit schimpft, die wir uns bewusst nehmen für einander, ob Date Night oder Dreh-Durch-Nacht oder Kuschelklub. Egal ob es morgens mittags oder abends ist. Es ist Zeit, die wir uns bewusst freiräumen und terminieren müssen. Und so unsexy die Planung im Vorfeld auch sein mag. Und wie stressig der Weg bis zu diesem kleinen Tisch in der Ecke im Bistro war – weil genau an diesem Abend das Kind nicht einschlafen will – der Weg lohnt sich. Denn wir könnten gut und gerne behaupten, dass wir auch zu Hause ein Date haben können. Aber ganz ehrlich: Das ist Quatsch. Am Ende lande  ich dann eben mit rot angemalten Lippen und kleinem Schwarzen auf der Couch und stecke die Füße unter die Fleecedecke und werde spätestens um 22:30 Uhr so schläfrig, dass es mich wie magisch ins Bett zieht. Und das nicht um zusammen in die Kiste zu hüpfen, sondern völlig erledigt hintenüberzufallen um unmittelbar in die Tiefschlafphase einzubrechen.

Ich hatte fast vergessen, dass Ausgehen mit meinem Mann so Spaß macht und so aufregend sein kann. Fast hätte ich vergessen, wie es früher war. Und deswegen haben auch wir jetzt beschlossen, mindestens einmal im Monat ein Date zu haben. Egal ob Kino, Essen oder Therme. Die gemeinsame Zeit ist unglaublich wichtig. Es ist die Zeit, in der wir einander ganz bewusst spüren und anblicken können und das Funkeln in den Augen sehen. Das Lächeln spüren. Das große Glück. In denen wir bewusst nur wir sind. Mann und Frau.

PS: Wenn dir #gedankenverloren gefällt, folge uns doch auch bei PinterestInstagram und Facebook.

* So gekennzeichnete Links sind Affiliate-Links. Wenn Du darüber bestellst oder buchst, kostet es für dich keinen Cent mehr. Wir bekommen aber eine kleine Provision und du kannst uns so unterstützen, ohne dass es dich etwas kostet.

0 Antworten

Hinterlasse einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte dir auch gefallen

gedankenverloren 23 Titelbild

Kolumne #23 || Unter Doppelbelastung im Dauereinsatz.

An manchen Tagen fühlt man sich als Mama wie im Hamsterrad. Je mehr Gas man gibt, desto mehr Aufgaben prasseln auf einen hinab. Die Aufgaben sind so viele geworden, dass man jetzt schon To-Do-Listenaufteilt in wichtig, dringlich und den ganzen Rest. Sport treiben, sich gesund ernähren, immer frisch für die Familie kochen, den Partner wertschätzen, ihm das auch zeigen und sich Auszeiten nehmen. Einkaufen, Wäsche waschen, bügeln, staubsaugen, wischen, putzen. Die Balkonmöbel abdecken. Den Balkon überhaupt mal aufräumen und so vieles mehr… Aber diese Doppelbelastung im Dauereinsatz macht auf Dauer krank: Rushing-Woman-Syndrom, heißt das neuerdings. Warum und wie man das stoppen kann..

Titelbild gedankenverloren Kolumne 22 Supermama

Kolumne #22 || Supermama – Eine für alle.

Warum machen wir uns eigentlich so verrückt? Oder machen wir das überhaupt? Oder sind es die anderen? Haben wir oder die anderen zu hohe Ansprüche an uns selbst? Oder stellen wir uns einfach alle an? Kind, Job, Haushalt, Partnerschaft. Das alles schient an manchen Tagen unmöglich zu schaffen, doch wir geben nicht auf und versuchen unser bestes… Immer und immer wieder. Immer mehr und immer schneller. Super-Mama im Hamsterrad…

Kolumne 21 Gedankenverloren Freitag

Kolumne #21 || FREItag. Meine neue Freiheit.

Ich stehe in der Küche und drehe das Radio auf volle Lautstärke, im Radio läuft The Chainsmokers feat. Coldplay mit ‚Something just like this‘ und ich raste völlig aus. Hüpfe durch die Küche gehüpft und wackle mit dem Kopf gewackelt während ich genüsslich in mein Schokocroissant beiße. Feierlich, im Stehen, ohne Teller und die vielen kleinen Blätterteigkrümel krümeln einfach so auf die Küchenfliesen. Wenig vorbildlich – aber egal. Es ist ja niemand da. Niemand der wegen der Krümel auf dem Boden die Stirn runzelt. Niemand der sich das Krümelchaos ansehen und abspeichern und nachmachen kann… Nur ich. Ich und mein Croissant und die Musik in meinem Kopf und – danke!! – die Sonnenstrahlen, die durchs Küchenfenster fallen. Hello, happy day! Meine neue Freiheit. Freitags, 6 Stunden, nur ich und ich. Was dabei rauskommt, wenn Mama allein zu Haus‘ ist…

Über uns

Beliebteste Beiträge

Folge uns auf Facebook

Folge uns auf Instagram

Quote of the week

"Ein Kind ist eine kleine Hand, die zurückführt in eine Welt, die man vergessen hat."

Unbekannt

Beitrag oder Thema suchen

Archiv

Archive

Beliebte Kategorien